Infinitiv im Deutschen – Erklärung, Satzbau, Beispiele
Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, bevor es konjugiert wird. Er kommt in der deutschen Grammatik sehr häufig zum Einsatz, beispielsweise bei verschiedenen Zeiten oder in Kombination mit einigen Verben.
Das Wichtigste im Überblick
- Als Infinitiv bezeichnet man die Grundform eines Verbs
- Jedes Verb hat eine Infinitiv Form
- Auch manche Verben, wie Modalverben, erfordern ein zweites Verb im Infinitiv
Inhaltsverzeichnis
Welche verschiedenen Infinitive gibt es?
Es gibt drei Verb-Kategorien mit unterschiedlichen Infinitiv-Endungen: -en, -ern, -eln:
-en
machen
haben
-ern
erinnern
rudern
-eln
sammeln
basteln
Buchen Sie einen Deutschkurs und machen Sie noch schneller Fortschritte.
Verben mit Infinitiv
Einige Verben im Deutschen können mit einem Infinitiv kombiniert werden. Dabei steht das konjugierte Basisverb an 2. Position, das zweite Verb - im Infinitiv - am Satzende. Diese Konstruktion wird auch als Satzklammer bezeichnet.
Zu den Verben, die einen Infinitiv benötigen, gehören unter anderem: lernen, hören, sehen, gehen, bleiben, spüren, fühlen und lassen.
Beispiele
- Andrea lernt bei ihrer Tante kochen.
- Ich höre sie singen.
- Siehst du den Postboten kommen?
- Gehen wir morgen zusammen essen?
- Bleiben Sie stehen!
Hier finden Sie weitere Informationen zu Verben und der Satzklammer:
Infinitiv ohne „zu“
Den Infinitiv ohne zu benötigen Sie für verschiedene Zeiten, primär das Futur 1 und Futur 2. Außerdem kommt er im Konjunktiv 2 zum Einsatz.
Beispiele
- Futur 1: Ich werde heute Abend Sport machen.
- Futur 2: Morgen früh werde ich Sport gemacht haben.
- Konjunktiv 2: Ich würde nach Neuseeland reisen, wenn ich das Geld hätte.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Futur 1, Futur 2 und dem Konjunktiv 2:
Der Infinitiv ohne zu steht auch mit den Modalverben: können, sollen, dürfen, wollen, müssen und mögen/möchten.
Beispiele
- Ich muss noch aufräumen.
- Er sollte wirklich mehr lernen.
- Ich will das nicht machen.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Modalverben:
Keine Lust mehr auf Infinitiv? Wie wäre es dann mit diesen Themen?
Infinitiv mit „zu“
Die Infinitivkonstruktion zu + Infinitiv hängt vom Verb im Hauptsatz ab. Sie kann statt eines Satzes mit der Konjunktion dass stehen, wenn das Subjekt im Hauptsatz und Nebensatz gleich ist. Wird ein Nebensatz mit einem Infinitiv mit zu gebildet, so entfällt in diesem Nebensatz das Subjekt.
Beispiel
- Er glaubt, dass er der Beste ist. → Er glaubt, der Beste zu sein.
Subjekt (Nominativ) und Prädikat (Verb) stehen vor dem Komma, zu + Infinitiv nach dem Komma am Satzende.
Tipp
Ist das Subjekt im Haupt- und Nebensatz identisch, so kann jeder Satz mit der Konjunktion dass als zu + Infinitiv formuliert werden.
In der deutschen Sprache gibt es einige typische Satzkonstruktionen, die man mit Infinitiv + „zu“ bildet. Dazu gehören:
- Es ist + Adjektiv
- Bestimmte Verben wie aufhören, beginnen, bitten, vergessen, versuchen, vorhaben etc.
Beispiele
Es ist wichtig, gut, interessant, schwierig, verboten, erlaubt ...
- Es ist wichtig, Deutsch zu lernen.
- Es ist verboten, im Parkverbot zu parken.
- Es ist interessant, ein Museum zu besuchen.
Versuchen, beginnen, vorhaben, aufhören, bitten, vergessen ...
- Ich versuche, das Problem zu lösen.
- Ich habe vor, eine Reise zu machen.
- Sie kann nicht aufhören, Schokolade zu essen.
Manche Verben verändern ihre Bedeutung, wenn sie mit einem zu + Infinitiv stehen. Beispielsweise: brauchen, drohen, pflegen und scheinen.
Beispiele
Brauchen
- Ohne zu + Infinitiv: brauchen bedeutet benötigen. → Ich brauche mehr Zeit. (Ich benötige mehr Zeit.)
- Mit zu + Infinitiv: brauchen wird meist verneint und bedeutet nicht müssen. → Du brauchst nicht zu kommen. (Du musst nicht kommen.)
Pflegen
- Ohne zu + Infinitiv: pflegen bedeutet sich um etwas kümmern. → Sie pflegt ihren kranken Vater.
- Mit zu + Infinitiv: pflegen bedeutet Eine Routine/Gewohnheit haben → Er pflegt morgens lange zu schlafen. (Er hat die Gewohnheit, lange zu schlafen.)
Wenn die Aussage des Nebensatzes (zu + Infinitiv) zeitlich vor der des Hauptsatzes liegt, wird der Infinitiv Perfekt verwendet. Diesen bilden Sie mit dem Partizip 2 und zu haben/sein.
Beispiele
- Herr Huber behauptet, das Telefon nicht gehört zu haben.
- Frau López sagt, heute etwas später aufgestanden zu sein.
Hier finden Sie weitere Informationen zum Perfekt und Partizip 2:
Infinitiv mit „um zu“
Ein Infinitiv kann auch mit der finalen Konjunktion um zu stehen. Diese leitet einen Finalsatz ein.
Finalsätze sind Sätze, die ein Ziel ausdrücken. Finalsätze sind außerdem immer Nebensätze.
Die eigentliche Handlung steht im Hauptsatz. Der Grund, warum jemand diese Handlung ausführt, wird im Nebensatz angegeben. Man kann nach dem Nebensatz mit wozu? fragen.
Die Nebensätze werden durch ein Komma abgetrennt.
Wichtig: Ein Infinitiv mit um zu kann nur verwendet werden, wenn das Subjekt im Hauptsatz und Nebensatz gleich ist! Es wird dann im Nebensatz weggelassen und man darf auch das Verb nicht konjugieren. Es steht also im Infinitiv.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Hauptsätzen und Nebensätzen:
Beispiele für Infinitive mit „um zu“
- Der Radfahrer fährt schnell, um das Rennen zu gewinnen.
- Ich esse viel Obst, um gesund zu bleiben.
- Wir sparen jeden Cent, um Paris sehen zu können.
Ein um zu Satz kann auch mit damit benutzt werden. In diesem Fall muss die Person erneut genannt und das Verb entsprechend konjugiert werden. Ist die Person in den Satzteilen identisch, so verwendet man normalerweise um zu.
- Der Radfahrer fährt schnell, damit er das Rennen gewinnt. → Der Radfahrer fährt schnell, um das Rennen zu gewinnen.
- Ich esse viel Obst, damit ich gesund bleibe. → Ich esse viel Obst, um gesund zu bleiben.
- Wir sparen jeden Cent, damit wir Paris sehen können. → Wir sparen jeden Cent, um Paris sehen zu können.
Sind die Subjekte nicht identisch, müssen Sie stattdessen damit benutzen.
Beispiele, bei denen „damit“ stehen muss
- Die Stadt baut einen großen Spielplatz, damit die Kinder viel Freude haben.
- Lernt die Grammatik, damit die Prüfung gut wird.
Die Subjekte in Haupt- und Nebensatz unterscheiden sich. Der Satz darf nur mit „damit“ gebildet werden.
Tipp
Bei gleichem Subjekt in Haupt- und Nebensatz benutzt man ein Infinitiv mit um zu.
Bei unterschiedlichen Subjekten in Haupt- und Nebensatz muss damit benutzt werden.
Keine Lust mehr auf Infinitiv? Wie wäre es dann mit diesen Themen?
Infinitiv mit „anstatt zu“
Mit der Konjunktion anstatt zu + Infinitiv drückt man aus, dass eine Situation anstelle einer anderen Situation eintritt. Der Nebensatz beginnt mit anstatt und endet mit zu + Infinitiv. Der Hauptsatz kann dabei vor oder nach dem Nebensatz stehen.
Beispiele
- Anstatt zu lernen, ging Frida ins Kino. → Frida lernt nicht, sie geht stattdessen ins Kino.
- Paul bestellt sich eine Pizza, anstatt selbst zu kochen. → Paul kocht nicht selbst, er bestellt Pizza.
- Möchtest du in ein neues Haus umziehen, anstatt das alte komplett zu renovieren?
Ein Satz mit anstatt zu kann optional auch mit stattdessen formuliert werden. Auch wenn die Bedeutung dieselbe ist, steht stattdessen in einem neuen Satz. Nach stattdessen folgt das Verb, während das Verb mit anstatt am Satzende steht.
Beispiele
- Anstatt für die Prüfung zu lernen, spielt er Computer.
- Er lernt nicht. Stattdessen spielt er Computer.
Statt, anstatt und stattdessen sind verneinend. Die handelnde Person tut nicht das, was man erwartet, sondern etwas anderes.
Der Nebensatz mit anstatt ist ein Modalsatz. Wichtig! Auch bei einem Infinitiv mit anstatt zu ist das Subjekt in Haupt- und Nebensatz identisch.
Beispiel
- Anstatt, dass er lernt, spielt er Computer. → Anstatt zu lernen, spielt er Computer.
Quiz
Lesen Sie weiter – ähnliche Themen
- Partizip 1: Zwei Handlungen ausdrücken, die zur gleichen Zeit stattfinden
- Partizip 2: Verschiedene Zeiten und Formen bilden
- Verben: Ein vollständiger Überblick über Verben im Deutschen
- Sein und haben im Präteritum: Die Formen der beiden wichtigsten Verben im Präteritum
- Modalverben: Alle Modalverben auf einen Blick
- Verben mit Dativ: Verben, die immer ein Dativobjekt benötigen
- Verben mit Akkusativ: Verben, die immer ein Akkusativobjekt benötigen
- Verben mit Dativ und Akkusativ: Verben, die mit Dativ- und Akkusativobjekt stehen
- Reflexive Verben: Verben mit Reflexivpronomen
- Trennbare Verben: Verben mit trennbaren Vorsilben
Beliebte Artikel bei anderen Lesern
- Dativ oder Akkusativ: Verwendung, Formen und Satzstellung von Dativ und Akkusativ im Überblick.
- Dativ Akkusativ Übungen: Testen Sie Ihr Wissen zum Dativ und Akkusativ.
- Genitiv s bei Namen: Welche Funktion hat das Genitiv s und wie nutzen Sie es richtig?
- Präteritum sein haben: Die Formen von sein und haben in der Vergangenheit.
- Relativpronomen was wo: Relativsätze, bei denen was und wo als Relativpronomen steht.
- Indefinitpronomen: Pronomen, die bestimmte oder unbestimmte Mengen bezeichnen.
- Indirekte Rede: Wiedergeben, was jemand anderes gesagt hat.
- Tekamolo: Eine Eselsbrücke, mit der Sie sich die Reihenfolge von Ergänzungen in Sätzen leicht merken können.
Das Beste aus unserem Blog
- Deutsche Zungenbrecher: Die knackigsten Zungebrecher, um Ihre Aussprache zu testen.
- Deutsche Beleidigungen: 25 typisch deutsche Beleidigungen für alle Lebenslagen
- Deutsche Redewendungen: Alltägliche deutsche Redewendungen mit Beispielen und Bedeutung.
- Deutsche Dialekte: So klingt Deutsch in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands.
- Stellungnahme schreiben: Äußern Sie Ihre Meinung fundiert zu einem Thema.
- Interpreation schreiben: Texte richtig interpretieren und die Interpretation strukturieren.
- Deutsche Sprichwörter: Typisch deutsche Sprichwörter, die Sie im Alltag oft hören.
Alle Standorte der DeutschAkademie
Weisen Sie mit einer telc Prüfung Ihre Sprachkenntnisse nach
telc Zertifikate sind bei fast allen Einrichtungen und Unternehmen als Nachweis Ihrer Deutschkenntnisse anerkannt. An der DeutschAkademie bieten wir Ihnen die telc B1 Prüfung und telc B2 Prüfung an vier verschiedenen Standorten an – inklusive den entsprechenden Vorbereitungskursen. Hier erfahren Sie mehr zur Vorbereitung: B1 Prüfungsvorbereitung telc und B2 Prüfungsvorbereitung telc.
Über die DeutschAkademie
Sprachschule mit 25 Jahren Erfahrung
Unsere erste Deutsch Sprachschule wurde 1999 in Wien gegründet. Seitdem haben wir acht weitere in ganz Deutschland eröffnet und bieten Menschen aus aller Welt interaktive, effektive Deutschkurse in kleinen Gruppen zu attraktiven Preisen.
Warum die DeutschAkademie? Heute lernen über 20.000 zufriedene Teilnehmende jährlich Deutsch an unseren Sprachschulen in Wien, Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Leipzig und Düsseldorf oder online.
Welche Sprachniveaus bietet die DeutschAkademie an?
An der DeutschAkademie können Sie Deutschkurse auf allen Leveln besuchen: von A1 bis C2. Nachfolgend finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen Niveaus und Standorten.