Interpretation schreiben – alle wichtigen Schritte

Egal ob es um einen Roman, ein Theaterstück, eine Kurzgeschichte, ein Gedicht, einen Sachtext oder nur um einen Textausschnitt geht: Eine Interpretation zu schreiben, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein wichtiger Teil im Deutschunterricht – oft als Aufgabe in Klausuren oder auch im Abi.

Was ist dabei wichtig? Beim Schreiben einer Interpretation geht es darum, zu zeigen, was ein Text bedeutet. Sie sollen zeigen, dass Sie den Text gut verstanden haben, ihn in einen Kontext setzen und einordnen können.

So gehen Sie dabei vor: Zuerst bereiten Sie sich vor. Sie lesen den Text, versuchen ihn zu verstehen, analysieren ihn, deuten ihn und suchen Belege. Danach machen Sie eine Gliederung. Die Gliederung besteht meistens aus Einleitung, Hauptteil und Schluss – mit klaren Unterpunkten. Erst danach schreiben Sie den Text. Dabei nutzen Sie Ihre Notizen und Markierungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Interpretation besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.
  • Wichtige Abschnitte sind Inhaltsangabe, Deutungshypothese, Analyse, Deutung und Fazit.
  • Vor dem Schreiben steht die Vorbereitung: Aufgabe und Text genau lesen, Wichtiges markieren, Fragen stellen, erste Ideen notieren.
  • Die Deutungshypothese gibt die Richtung vor: eine begründete Vermutung zur Aussage des Textes, die sich im Schreiben weiterentwickeln kann.
  • Die Analyse untersucht Inhalt, Aufbau und Sprache: Achten Sie auf Erzählform, Figuren, Motive und sprachliche Mittel.
  • Die Deutung verbindet alles zu einer Gesamtaussage: Was will der Text sagen? Belegen Sie Ihre Aussagen mit Zitaten.
  • Das Fazit bewertet die Hypothese: Ziehen Sie eine Schlussfolgerung.
  • Schreiben Sie im Präsens.

In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie eine gute Interpretation schreiben. Und wir erklären, was alles dazugehört. Hier ein Überblick:

Was ist eine Interpretation?

Das Wort „Interpretation“ kommt aus dem Lateinischen: Interpretari bedeutet „auslegen“ oder „verstehen“. Das beschreibt schon gut, worum es geht: Sie sollen einen Text genau untersuchen und erklären, was er bedeutet. Dazu schauen Sie sich Inhalt, Aufbau, Sprache und Stilmittel genau an.

Auch der Kontext ist wichtig: Wann wurde der Text geschrieben? Was war damals in der Gesellschaft los? Ziel ist es, die Kernaussagen – die wichtigsten Aussagen des Textes – zu erkennen, mit Textstellen zu belegen und zu erklären, wie der Text auf Leserinnen und Leser wirkt – klar und logisch nachvollziehbar.

Vorbereitung

Bevor Sie anfangen zu schreiben, sollten Sie sich gut vorbereiten. Das sind die wichtigsten Schritte:

  • Aufgabenstellung beachten: Lesen Sie die Aufgabenstellung ganz genau: Nicht immer sind Analyse und Interpretation des gesamten Textes gefragt. Manchmal geht es nur um einen Teil des Textes oder ein bestimmtes Merkmal. In einer Prüfung kann man sowas leicht übersehen – denn oft ist man aufgeregt. Also: genau hingucken.
  • Lesen, unterstreichen, markieren: Klingt etwas banal, ist aber wirklich wichtig: Lesen Sie den Text gründlich. Mehrmals. Beim ersten Mal, um einen Überblick zu gewinnen – worum geht es überhaupt? Danach: Unterstreichen Sie. Markieren Sie alles, was Ihnen auffällt – ggf. in verschiedenen Farben: Stilmittel, Schlüsselwörter und mehr. Und machen Sie sich Notizen.
  • Fragen und verstehen: Stellen Sie Fragen zum Text, wie ein Journalist: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Und schreiben Sie die Antworten kurz und knapp auf. Gehen Sie mit Ihren Fragen dann noch etwas weiter in den Text: Warum erzählt die Autorin oder der Autor das so?
  • Analysieren: Untersuchen Sie nun Inhalt, Struktur und sprachliche Gestaltung des Textes. Notieren Sie in Stichpunkten: Wie ist der Text gegliedert? Um welche Themen geht es? Wie ist der Verlauf der Handlung? Welche sprachlichen Mittel werden verwendet?
  • Deuten/interpretieren: Jetzt geht’s an die Deutung, also den Kern der Interpretation. Hier sehen Sie sich die Ergebnisse Ihrer Analyse nochmal an und weisen ihnen eine Bedeutung zu. Dazu überlegen Sie: Warum hat die Autorin oder der Autor den Text so gestaltet? Steht da etwas „zwischen den Zeilen“ – und wenn ja, was? Daraus entsteht die so genannte Deutungshypothese.
  • Belegen: Suchen und markieren Sie Sätze im Text, die Ihre Hypothese belegen. Und prüfen Sie danach nochmal gezielt: Passen die Aussagen dieser Textstellen zu Ihrer Analyse und zu Ihrer Deutungshypothese?
  • Gliedern: Nun überlegen Sie sich eine Struktur, nach der Sie die Interpretation aufbauen möchten.

Gliederung – das Grundgerüst

Die Gliederung ist die Basis Ihrer Interpretation. Je klarer der Aufbau, desto besser können Sie die zentralen Aspekte des Textes beleuchten. In der Regel besteht eine Interpretation aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Jeder Teil und jeder Abschnitt darin hat eine spezifische Funktion. Im Hauptteil analysieren Sie Inhalt, Form und Sprache und deuten alles Schritt für Schritt.

In der Schule sind oft folgenden Abschnitte gefragt:

  • Einleitung: Hier nennen Sie: Autor, Titel, Textart, Erscheinungsjahr oder Epoche und das Ziel des Textes beziehungsweise die Wirkungsabsicht.
  • Inhaltsangabe: Fassen Sie die Handlung kurz und knapp zusammen. Was passiert? Wer sind die Hauptfiguren? Welche wichtigen Ereignisse und Begriffe kommen vor?
  • Fragestellung oder Deutungshypothese: Dies ist der Kern der Interpretation. Hier schreiben Sie Ihre eigene Vermutung über die Bedeutung des Textes auf: Dafür nennen Sie Argumente und Begründungen, eventuell auch Widersprüche, und definieren das Ziel der Interpretation.
  • Analyse: Hierbei untersuchen Sie Form, Inhalt und Sprache des Textes.
  • Interpretation: Jetzt deuten Sie den Text auf Grundlage Ihrer Analyse und im Hinblick auf Ihre Deutungshypothese. Wichtig dabei ist, nicht nur zu beschreiben, sondern tatsächlich zu deuten und zu interpretieren. Dafür nennen Sie Textstellen, die Ihre Vermutung unterstützen.
  • Fazit: Zum Schluss fassen Sie Ihre Deutungshypothese kurz zusammen und bewerten Ihre Ergebnisse.

Jetzt geht es an die eigentliche Aufgabe – das Schreiben der Interpretation. Schreiben Sie im Präsens.

Die Einleitung mit Inhaltsangabe

Die Einleitung ist der kürzeste Teil. Sie stellt den Text kurz vor – klar und präzise formuliert. Beginnen Sie mit den Basics: Titel, Autor:in, Erscheinungsjahr, Textsorte und eventuell literarische Epoche. Je nach Textsorte kann es sinnvoll sein, den Text in das Gesamtwerk oder in den zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen.

Dann fassen Sie den Inhalt kurz zusammen: Wer sind die Hauptfiguren? Was passiert? Wie verläuft die Handlung? Benennen Sie auch das Thema, wichtige Begriffe oder Motive. Aber konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

Anschließend formulieren Sie Ihre Fragestellung oder Deutungshypothese. Sie bildet den roten Faden für die weitere Analyse. Welche Bedeutung könnte der Text haben? Was wollen Sie in Ihrer Interpretation zeigen?

Der Hauptteil – von Hypothese über Analyse zu Deutung

Der Hauptteil ist der ausführlichste Teil. Hier setzen Sie sich intensiv mit dem Text auseinander. Dafür nutzen Sie die Notizen aus Ihrer Vorbereitung. Wie Sie den Hauptteil gliedern, bleibt Ihnen überlassen. Folgende Abschnitte sind aber meist wichtig.

Deutungshypothese

Manchmal steht eine Leitfrage oder Deutungshypothese bereits in der Aufgabenstellung der Klausur. Wenn nicht, dann schreiben Sie eine eigene Deutungshypothese: Ihre erste begründete Vermutung über die Kernaussage des Textes. Sie fasst in ein bis drei Sätzen zusammen, worum es im Wesentlichen geht und welche Absicht die Autorin oder der Autor verfolgt. Damit ist sie die Basis für Ihre spätere Analyse und Deutung.

Wichtig ist: Die Hypothese muss nachvollziehbar sein. Bleiben Sie daher nah am Text, sodass Sie Ihre Deutungshypothese später mit Textbelegen untermauern können.

Tipp

Bei einer Deutungshypothese gibt es nicht „richtig“ oder „falsch“. Sie ist nur eine begründete Vermutung. Wichtig ist aber, dass Sie sie mit Textstellen belegen. Und: Sie dürfen Ihre Deutungshypothese später auch noch anpassen, wenn Sie beim Schreiben neue Erkenntnisse gewinnen.

Analyse von Form, Inhalt und Sprache

In diesem Teil tauchen Sie tiefer in den Text ein: Sie schauen auf inhaltliche, formale und sprachliche Aspekte – von offensichtlichen bis hin zu verborgenen Merkmalen. Dabei starten Sie mit der äußeren Gestaltung.

Formale Gestaltung. Schauen Sie sich Struktur und Aufbau des Textes genauer an. Dazu gehören:

  • Erzählperspektive: Wer erzählt? Ich-Erzähler, personale oder auktoriale Erzählsituation?
  • Erzählebenen: Wird auf Handlungsebene erzählt oder kommentiert der Erzähler?
  • Erzählzeit: Wird in Vergangenheit oder Gegenwart erzählt?
  • Je nach Textsorte: Wie viele Strophen und Verse hat das Gedicht? Versmaß, Reime? Welche Erzählperspektive, welche Zeitstruktur hat die Kurzgeschichte? Wie sind Figurenkonstellation und Szenenaufbau im Drama?

Inhaltliche Gestaltung. Untersuchen Sie, wie Themen und Motive dargestellt sind. Welche Bedeutung haben sie für die Gesamtaussage? Beziehen Sie sich dabei immer auf den Textausschnitt, den Sie gerade bearbeiten – keine Verallgemeinerungen. Wichtige Fragen:

  • Figuren: Wie lassen sich die Hauptfiguren charakterisieren? Wie entwickeln sie sich? Was motiviert sie?
  • Zeit und Ort: Wann und wo spielt die Handlung?
  • Handlung: Welche zentralen Ereignisse oder Wendepunkte gibt es? Warum sind sie wichtig?
  • Gliederung: In welche Abschnitte lässt sich der Text einteilen?

Sprachliche Gestaltung. Sprache kann ein wichtiger Schlüssel zur Deutung sein.

  • Art der Sprache: Alltagssprache, Dialekt, Hochsprache?
  • Stilmittel: Metaphern, Ironie, Symbole? Suchen Sie nach Mustern: Farben, Wörter, Situationen, Kontraste? Kehren sie wieder? Welche Funktion und Wirkung haben sie?
  • Auffälligkeiten: Wortwahl, Wiederholungen, Gegensätze, Betonungen, Widersprüche, Humor?

Tipp

Zählen Sie Stilmittel nicht einfach auf. Erklären Sie, was sie bewirken. Aber übertreiben Sie nicht – nicht alles ist ein Symbol für etwas anderes. Interpretieren Sie, was sich nachvollziehbar aus dem Text ergibt.

Historischer Kontext. Um die Intention des Autors besser zu verstehen, hilft es, mehr über die jeweilige Zeit zu erfahren.

  • Entstehungszeitpunkt: Wann wurde der Text geschrieben?
  • Historischer Kontext: Welche politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Bedingungen gab es?
  • Literarische Epoche: Welche Merkmale dieser Epoche erkennt man im Text?

Deutung/Interpretation

Die eigentliche Interpretation schließt den Hauptteil ab und verbindet alle zuvor genannten Erkenntnisse zu einer Schlussfolgerung. Formulieren Sie Ihre Deutung auf Grundlage Ihrer Analyse. Zitieren Sie Textstellen. Beispiel: „In Kapitel 3 auf Seite 21 in Zeile 3 …“

Tipp

Bleiben Sie nah am Text. Sie müssen nicht wirklich wissen, was der Autor dachte. Ihre Interpretation ist eine gut begründete Perspektive, kein endgültiges Urteil. Entscheidend ist, dass Sie klar argumentieren und mit Textstellen belegen.

Der Schluss – Ihr Fazit

Im Fazit fassen Sie die zentralen Ergebnisse Ihrer Interpretation zusammen.

Prüfen Sie: Hat sich Ihre Deutungshypothese bestätigt? Oder gibt es gute Gegenargumente? Bewerten Sie hier auch die Wirkung des Textes. Was sagt der Text aus? Wie wirkt er auf Leserinnen und Leser? Hier dürfen Sie auch Ihre eigene Meinung einbringen – sachlich und begründet. Das zeigt, dass Sie sich gut mit dem Text beschäftigt haben.

Zusätzlich können Sie eventuell schreiben, warum der Text heute noch wichtig ist: Gibt es einen Bezug zur Gegenwart?

Tipp: Checkliste für Interpretationen

Routine hilft bei komplexen Aufgaben. Machen Sie sich selbst eine Checkliste mit allen wichtigen Punkten. So prägen sich die einzelnen Punkte besser ein und Sie behalten den Überblick – von der Vorbereitung bis zum fertigen Text.

  • Aufgabe verstanden?
  • Text mehrmals gelesen?
  • Wichtige Textstellen markiert?

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