Verben im Deutschen – ein Überblick der wichtigsten Regeln

Verben sind das Herz eines Satzes. Sie beschreiben, was passiert oder was gemacht wird: Handlungen, Zustände oder Vorgänge. Daher sind sie auch als Tätigkeitswort, Tunwort oder Zeitwort bekannt. Im Deutschen können Verben in verschiedenen Formen auftreten, je nach Person, Zeit oder grammatischer Struktur. Sie sind ein zentraler Bestandteil der deutschen Grammatik.

Das Wichtigste im Überblick

  • Verben sind „tun-Wörter“, sie beschreiben eine Handlung, einen Zustand oder einen Vorgang
  • Sie können im Indikativ, Konjunktiv oder Imperativ stehen
  • Sie werden dekliniert und können in allen 6 Zeiten stehen
  • Man unterscheidet Vollverben, Hilfsverben und Modalverben
Verben Präsens

Inhaltsverzeichnis

Verben sind für den Satzbau absolut essenziell. Wer sich verständlich ausdrücken will, kommt also nicht drum herum, die wichtigsten Regeln rund um Verben zu lernen und zu verinnerlichen. Wie das geht, zeigen wir hier. Wir geben einen Überblick über wichtige Regeln und Begriffe. Zu vielen Themen finden Sie zudem auf Unterseiten weiterführende Informationen, die die Inhalte praxisnah vertiefen. Folgen Sie dazu einfach den Links.

Konjugation von Verben im Deutschen

Im Deutschen werden alle Verben konjugiert. Das heißt: Sie passen ihre Form der im Satz genannten Person, Zahl und Zeit an. Je nachdem, ob die Verben regelmäßig oder unregelmäßig sind, ist es unterschiedlich schwierig, ihre Formen zu bilden.

Herausfordernd kann insbesondere sein, die Konjugation der Verben für alle sechs Zeitformen zu lernen: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur 1, Futur 2 – oder zumindest für die wichtigsten. Doch die richtige Konjugation ist wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden.

Regelmäßige Verben werden auch schwache Verben genannt. Das liegt daran, dass die Stammform gleich bleibt. Das Verb ist quasi „zu schwach", um den Stamm zu verändern. Das Konjugationsmuster ist daher wie folgt: Sie behalten ihren Stammvokal und bekommen eine jeweilige Endung hinzu.

Beispiel: lernen

 lernen
Präsensich lerne
du lernst
er/sie/es lernt
Präteritumich lernte
Perfektich habe gelernt

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Zeiten im Deutschen:

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Zu unregelmäßigen Verben sagt man auch starke Verben. Stark deshalb, da sich der Verbstamm stark verändert. Dabei modifiziert sich meist der Stammvokal. Am besten erkennt man das im Präteritum, beim Partizip 2 und oft auch in der zweiten und dritten Person Singular im Präsens.

Beispiele

 sehenessenfahren
Präsensich seheich esseich fahre
du siehstdu isstdu fährst
er/sie/es siehter/sie/es isster/sie/es fährt
Präteritumich sahich aßich fuhr
Perfektich habe gesehenich habe gegessenich bin gefahren

Hier finden Sie weitere Informationen zu regelmäßigen und unregelmäßigen Verben:

Tipp

Unregelmäßige Verben sollten Sie auswendig lernen. Nutzen Sie Konjugationstabellen, um mögliche Muster zu erkennen und üben Sie regelmäßig. Spezielle Übungen helfen Ihnen, besonders wichtige Verben sicher zu verwenden.

Vollverb, Hilfsverb, Modalverb

Vollverben, Hilfsverben und Modalverben unterscheiden sich in ihrer Funktion innerhalb eines Satzes.

Ein Vollverb drückt eine Handlung, einen Vorgang oder einen Zustand aus. Es kann alleine stehen und ist in der Regel das wichtigste Verb im Satz, indem es dessen Hauptbedeutung trägt.

Beispiele

  • Unsere Nachbarn bauen ein Haus.
  • Ich habe gestern eingekauft.

Ein Hilfsverb ist dazu da, bestimmte grammatische Strukturen wie Zeitformen oder Modi zu bilden. Es hat keine eigenständige Bedeutung, sondern unterstützt ein Hauptverb. Die häufigsten Hilfsverben im Deutschen sind sein, haben und werden. Sie ermöglichen es zum Beispiel, zusammengesetzte Zeiten wie das Perfekt oder Modi des Verbs wie das Passiv zu bilden.

Beispiele

  • Perfekt: Unsere Nachbarn haben ein Haus gebaut.
  • Futur 1: Unsere Nachbarn werden ein Haus bauen.
  • Passiv: Das Haus wurde gebaut.

Hier finden Sie weitere Informationen zu sein und haben sowie werden:

Auch ein Modalverb wird zusammen mit einem Vollverb verwendet. Es erweitert die Bedeutung des Hauptverbs, indem es eine bestimmte Haltung oder Absicht vermittelt: eine Möglichkeit, Notwendigkeit, Fähigkeit, Erlaubnis oder einen Wunsch. Die Modalverben sind können, müssen, dürfen, sollen, wollen, möchten/mögen.

Beispiele

Können

Ich kann gut Deutsch sprechen.

Müssen

Wir müssen lernen.

Dürfen

Wir dürfen ein Eis essen.

Wollen

Wollt ihr ins Kino gehen?

Möchten

Ich möchte heute baden.

Weitere Informationen zu Modalverben finden Sie unter anderem hier:

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Trennbare und nicht trennbare Verben

Einige deutsche Verben können zusätzlich eine Vorsilbe (Präfix) haben. Damit bekommen sie meist auch eine völlig neue Bedeutung. Hier eine kleine Aufzählung der Möglichkeiten im Deutschen:

ab-, an-, auf-, aus-, bei-, ein-, los-, mit-, nach-, her-, hin-, vor-, weg-, zu-, zurück-

Was gar nicht so einfach zu verstehen und zu lernen ist: Einige dieser Vorsilben (Präfixe) werden bei der Konjugation vom Verb getrennt, andere nicht.

Bei trennbaren Verben wird die Vorsilbe vom Verb getrennt. Im Präsens und im Präteritum steht das Präfix am Satzende. Beim Partizip 2 steht das Präfix vor dem ge-.

Beispiele

  • Vorlesen: Er liest den Kindern heute Abend ein Buch vor. Sie hat den Kindern gestern etwas vorgelesen.
  • Aufstehen: Ich stehe normalerweise um halb sieben auf. Heute bin ich schon um sechs Uhr aufgestanden.
  • Mitkommen: Kommst du mit ins Kino? Sie ist ins Kino mitgekommen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu trennbaren Verben:

Bei nicht trennbaren Verben bleibt das Präfix immer mit dem Verb zusammen. Das Partizip 2 wird in diesem Fall ohne ge- gebildet. Zu diesen Präfixen gehören beispielsweise: be-, emp-, ent-, ge-, miss-, ver-, zer-

Beispiele

Verstehen

Ich verstehe diesen Text nicht. Den anderen Text habe ich gut verstanden.

Besuchen

Wir besuchen morgen unsere Eltern. Vorgestern haben unsere Nachbarn uns besucht.

Manchmal ist es aber noch komplizierter: Zusätzlich gibt es nämlich Vorsilben, die je nach Verb und Bedeutung trennbar oder nicht trennbar sein können, wie umfahren oder umstellen. Präfixe, die je nach Verb trennbar oder nicht trennbar sind, sind zum Beispiel: durch-, über-, um-, wieder-

Verb Beispiel Bedeutung
trennbar durchschauen Ich schaue durch dich durch. Ich schaue dich nicht an.
nicht trennbar durchschauen Ich durchschaue dich. Ich weiß, wenn du lügst.
trennbar überlaufen Das Wasser läuft gleich über. Ein Wassereimer ist fast voll und kann das Wasser nicht mehr halten.
nicht trennbar überholen Ich überhole den LKW vor mir. Der LKW vor mir fährt langsam. Nachdem ich ihn überholt habe, fahre ich vor dem LKW.
trennbar umsehen Ich sehe mich in dem Geschäft um. Ich suche nichts Konkretes, ich schaue nur, was es generell gibt.
nicht trennbar umarmen Er umarmt seine Freundin. Er nimmt seine Freundin in den Arm und drückt sie leicht.
trennbar wiederkommen Sie kommt in einem Monat wieder. Sie ist z. B. im Urlaub. In einem Monat ist sie wieder hier.
nicht trennbar wiederholen Die Lehrkraft wiederholt morgen das Thema. Das Thema wird morgen nochmal unterrichtet.

Tipp

Bei der Aussprache können Sie den Unterschied heraushören. Denn hier gilt die Regel: Bei trennbaren Verben wird die Vorsilbe betont, bei untrennbaren Verben wird die Silbe hinter dem Präfix betont: umfahren oder umfahren.

Reflexive Verben und reziproke Verben

Reflexive Verben und reziproke Verben sind Verben, die mit dem Reflexivpronomen sich gebildet werden.

Reflexive Verben beziehen sich dabei auf die Person, die die Handlung ausführt. Sie erfordern ein Reflexivpronomen wie mich, dich, sich. Einige Verben sind immer reflexiv, andere werden nur in bestimmten Kontexten reflexiv verwendet.

Beispiele

  • Ich muss mich beeilen.
  • Du freust dich auf das Wochenende.
  • Er wäscht sich.

Zudem gibt es reflexive Verben mit Präpositionen. Diese benötigen immer eine Präposition. Beispiele: sich anpassen an + Akk., sich ärgern über + Akk.

Hier finden Sie weitere Informationen zu reflexiven Verben und Reflexivpronomen:

Reziproke Verben werden nur im Plural verwendet und haben die Bedeutung von einander.

Beispiel

  • Wir sehen uns jeden Morgen in der Sprachschule. (Wir sehen einander.)

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Modus: Indikativ, Konjunktiv und Imperativ

Der Modus eines Verbs ist dessen Aussageweise – sie kann real, möglich oder auffordernd sein. Die Modi des Verbs heißen entsprechend Indikativ, Konjunktiv und Imperativ.

Am häufigsten stehen Verben im Indikativ. Er drückt reale Handlungen aus.

Beispiele

  • Ich komme zu deiner Geburtstagsfeier.
  • Ich habe auch schon einen Kuchen gebacken.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Indikativ:

Der Konjunktiv dagegen drückt aus, dass eine Handlung möglich ist – entweder im Konjunktiv 1 oder im Konjunktiv 2. Deshalb wird er auch Möglichkeitsform genannt.

Beispiel

  • Ich ginge heute ins Kino, wenn ich keine Erkältung hätte. (Konjunktiv II)

Um den Konjunktiv zu lernen und zu trainieren, haben wir eine ganze Reihe von Erklärungen und Übungen für Sie:

Konjunktiv 1

Konjunktiv 2

Konjunktiv 2: hätte, wäre, würde

Konjunktiv 2 der Vergangenheit

Der Imperativ wird genutzt, um Befehle, Aufforderungen oder Ratschläge auszudrücken. Man spricht dabei eine oder mehrere Personen persönlich an. Wie man ihn bildet, hängt daher davon ab, ob man das Gegenüber duzt, siezt oder mehrere Personen anspricht.

Beispiele

  • Du: Back bitte einen Kuchen.
  • Du: Lerne die Modi des Verbs.
  • Sie: Backen Sie bitte einen Kuchen.
  • Ihr: Lernt bitte die Modi des Verbs.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Imperativ:

Aktiv und Passiv

Verbformen können im Aktiv oder im Passiv stehen. Im Aktiv wird die Person genannt, die handelt. Das Passiv dagegen betont die Handlung selbst und nicht die Person, die sie ausführt. Es wird oft verwendet, wenn die ausführende Person unbekannt oder unwichtig ist.

Beispiele

Präsens

Aktiv: Wir kochen das Essen.

Passiv: Das Essen wird gekocht.

Perfekt

Aktiv: Wir haben das Essen gekocht.

Passiv: Das Essen ist gekocht worden.

Futur 1

Aktiv: Wir werden das Essen kochen.

Passiv: Das Essen wird gekocht werden.

Noch komplizierter wird’s, wenn Passiv und Modalverb zusammenkommen: „Der Hund will jetzt gefüttert werden.“ Oder: „Die Blumen müssen gegossen werden.“

Hier finden Sie weitere Informationen zum Passiv:

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Unpersönliche Verben

Unpersönliche Verben haben immer das Pronomen es als Subjekt, das man nicht durch ein Nomen ersetzen kann. Dazu gehören die sogenannten Wetterverben.

Beispiele

Es blitzt

Es donnert

Es hagelt

Es regnet

Es schneit

Es stürmt

Signalverben – Verben mit festem Kasus

Zu manchen Verben gehört ein fester Kasus, der ihnen folgt: Nominativ, Genitiv, Dativ oder Akkusativ. Verben mit Akkusativ kommen am häufigsten vor. Hier finden Sie eine ausführliche Erklärung zu Verben mit Dativ.

Beispiele

  • Verb + Genitiv: (wessen?) bezichtigen: Sie bezichtigt ihn des Diebstahls.
  • Verb + Dativ: (wem?) glauben: Ich glaube dir kein Wort.
  • Verb + Akkusativ: (wen/was?) kennen: Wir kennen den Film noch gar nicht.

Verben mit Präpositionen

Einige Verben haben ein festes Präpositionalobjekt mit einer bestimmten Präposition und einem festen Kasus. Diese Verb-Präposition-Kombinationen sind untrennbar. Verb und Präposition bilden eine feste Einheit, die die Bedeutung des Verbs genauer bestimmt. 

Hier finden Sie Erklärungen und eine Liste der Verben mit Präpositionen.

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