Die Metapher – ein sprachliches Bild
Was haben „Schmetterlinge im Bauch“ und ein „Wink mit dem Zaunpfahl“ gemeinsam? Genau! Beide Formulierungen sind nicht wörtlich zu verstehen. Es sind sprachliche Bilder, die nur im übertragenen Sinn funktionieren. Man nennt sie Metaphern.
Sie beleben unsere Sprache und erleichtern es, abstrakte oder komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Zudem verstärken sie die emotionale Wirkung und können sogar unsere Wahrnehmung beeinflussen – im Alltag wie in Politik und Literatur.
Inhaltsverzeichnis
Was genau ist eine Metapher?
Eine Metapher ist ein sprachliches Bild. Sie verbindet Dinge oder Begriffe, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Das gelingt, indem sie eine Eigenschaft eines Gegenstands oder Begriffs auf einen anderen überträgt. So werden sogar abstrakte Ideen oder Gefühle greifbar.
Doch wie genau funktioniert die Übertragung der Bedeutung? Nehmen wir das Beispiel „Ich stehe gerade auf dem Schlauch“. Hier geht es natürlich nicht um einen echten Schlauch, sondern um eine Denkblockade. Der Trick: Beide Situationen teilen eine gemeinsame Eigenschaft – das tertium comparationis. Beim Schlauch ist es die Unterbrechung des Wasserflusses, beim Denken die Unterbrechung des Gedankenflusses. Die Metapher nutzt diese Parallele, um das abstrakte Problem „nicht weiterkommen“ durch den „Schlauch“ bildhaft erlebbar zu machen.
Metaphern sind eines der häufigsten rhetorischen Stilmittel im Deutschen. Und sie kommen vielfältig vor: in alltäglichen Redewendungen, in Medien, Politik und allen literarischen Gattungen. Durch unsere Erfahrungen mit der Welt entstehen zudem ständig neue. Denn das menschliche Gehirn sucht gern nach Mustern und Verbindungen, um noch Unbekanntes über bereits Bekanntes besser zu verstehen. Dabei geht es auch um Kreativität: Besonders wirksam sind ungewöhnliche Metaphern. Abgenutzte Metaphern wie „Zeit ist Geld“ haben bereits ihre Wirkung verloren, sogenannte „tote“ Metaphern wie „Flaschenhals“ werden oft gar nicht mehr als Metaphern erkannt.
Metaphern sind aber nicht nur stilistische Werkzeuge, sondern spiegeln auch unsere Sicht auf die Welt und kulturelle Aspekte wider. Sie machen komplexe Ideen verständlich, wecken Emotionen und bleiben im Gedächtnis. Dabei beeinflussen sie auch, wie wir denken, fühlen und handeln. Besonders im medialen und politischen Kontext besteht daher auch die Gefahr von Missbrauch.
Den Begriff der Metapher prägte der Philosoph und Rhetoriker Aristoteles, der ihn im 4. Jahrhundert v. Chr. in seinen Werken „Rhetorik“ und „Poetik“ erstmals erklärte. Das Wort stammt aus dem Griechischen metaphorá, abgeleitet von metà phérein, was wörtlich „anderswohin tragen“ bedeutet. Das damalige Beispiel lautet: „Achill ist ein Löwe. “ Die Eigenschaften des Löwen – Stärke und Mut – überträgt Aristoteles hier auf den Menschen Achill.
Merkmale der Metapher
Obwohl Metaphern uns im Alltag und in der Literatur häufig begegnen, ist es nicht immer einfach, sie zu erkennen und zu analysieren. Die wichtigsten Erkennungsmerkmale:
- Übertragene Bedeutung: Ein Begriff wird aus seinem ursprünglichen Kontext in einen neuen überführt. Damit ist er nicht mehr wörtlich zu verstehen. Im Zweifelsfall fragen Sie sich: Ist die Formulierung sinnvoll, wenn wir sie wörtlich verstehen? Wenn nicht, testen Sie mal den Sinn der übertragenen Bedeutung.
- Ohne Vergleichswort: Kein „wie“ oder „als“ – die Metapher steht für sich. Anders als beim Vergleich wird die Beziehung zwischen den Begriffen nicht ausdrücklich benannt. Die Lesenden oder Zuhörenden müssen sie selbst erschließen. Beispiel:
- Metapher: „Er ist ein Löwe.“
- Vergleich: „Er ist stark wie ein Löwe.“
- Bildhaft und kreativ: Metaphern erzeugen Bilder im Kopf. So machen sie Gefühle, Ereignisse oder Abstraktes anschaulich.
Wirkungen der Metapher
- Anschaulich und lebendig: Metaphern helfen, Inhalte besser verständlich zu machen. Und die Sprache insgesamt wird lebendiger. Sie verwandeln beispielsweise abstrakte Begriffe in einprägsame Bilder und machen sie dadurch anschaulich.
- Regen Vorstellungskraft an: Metaphern fordern Lesende oder Zuhörende auf, über den Sinn der Formulierung nachzudenken. So regen sie kreatives Denken und Problemlösen an.
- Vermitteln Emotionen: Metaphern können Stimmungen oder Gefühle wecken und dadurch eine emotionale Verbindung zum Inhalt herstellen oder stärken.
- Prägen und beeinflussen das Denken: Metaphern erzeugen Bilder in unseren Köpfen. Das hat auch einen etwas zweischneidigen Effekt: Diese Bilder prägen unser Verständnis von Begriffen und lenken unser Denken in bestimmte Richtungen. So können sie auch unsere Emotionen, Meinungen und Entscheidungen und sogar unser Verhalten beeinflussen. Beispiel: Ob wir im Kontext von Kommunikation oder Problemlösung Metaphern des Kampfes oder der Reise nutzen, kann Auswirkungen darauf haben, ob wir zu aggressiven oder kooperativen Lösungen tendieren.
Vorsicht
In einigen Fällen können metaphorische Aussagen nicht die gewünschte Wirkung haben, sondern zu Missverständnissen oder Irritationen führen: nämlich dann, wenn sie von den Lesenden oder Gesprächspartner:innen wörtlich verstanden werden. Das kann bei Sprachlernenden der Fall sein, bei kleinen Kindern und ebenso bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen.
Zudem gibt es kulturelle Unterschiede: Manche Metaphern sind in anderen Kulturen schwer verständlich oder haben eine andere Bedeutung. Achten Sie also immer mal auf den Kontext und die Gesprächspartner:innen, wenn Sie sie einsetzen.
Metaphern in der Alltagssprache
Metaphern sind so weit verbreitet, dass sie im täglichen Sprachgebrauch manchmal kaum noch auffallen und zu Redewendungen oder Floskeln werden.
Beispiele
- Mir läuft die Zeit davon. – Ich habe zu wenig Zeit.
- Ich habe Schmetterlinge im Bauch. – Ich bin verliebt oder aufgeregt.
- Das ist doch Schnee von gestern. – Die Informationen sind nicht mehr aktuell oder bereits allen bekannt.
- Wir tappen noch im Dunkeln. – Wir wissen noch nichts Genaues und brauchen mehr Klarheit.
- Paula hat eine Löwenmähne. – Sie hat viele kräftige und lange Haare.
- Da gibt’s ein Meer von Möglichkeiten. – Es gibt unendlich viele Optionen.
- Es herrscht eine Mauer des Schweigens. – Es gibt absolute Stille oder Geheimhaltung.
- Er ist am Boden zerstört. – Er ist völlig verzweifelt.
- Du brichst mir das Herz. – Du machst mich sehr traurig, besonders in der Liebe.
- Tim ist ein Partylöwe. – Er ist sehr gesellig und feiert gern.
- Sie sieht alles durch die rosarote Brille. – Sie nimmt nur das Positive wahr.
- Er bricht das Eis. – Er lockert eine angespannte Situation auf.
- Wir müssen die Wogen glätten. – Wir müssen kommunizieren, um Konflikte zu lösen.
- Das bringt mich auf die Palme. – Das macht mich wütend.
- Sie springt über ihren eigenen Schatten. – Sie überwindet sich und tut etwas Ungewohntes.
Metaphern in Medien und Politik
Metaphern sind in der Presse, in politischen Reden, Werbeslogans und sozialen Medien allgegenwärtig. Auch weil sie Botschaften eindrücklich transportieren und so die öffentliche Meinung mitprägen können.
Beispiel
Sie kennen aus dem Geschichtsunterricht sicherlich den Begriff der „Eiserne Vorhang“. Auch das ist eine Metapher. Denn damit wird nicht ein tatsächlicher Vorhang bezeichnet, sondern die unüberwindbare Teilung Europas während des Kalten Krieges zwischen den westlichen Demokratien und dem damals oft so bezeichneten „Ostblock“. Solche Bilder prägen nachhaltig, wie wir historische oder aktuelle Ereignisse deuten.
Tipp
Vor allem in politischen Kontexten sollten Metaphern nicht unreflektiert übernommen werden, da sie die Realität verzerrt darstellen können. Analyse hilft. Bei einer Metapher wie „Flüchtlingswelle“ beispielsweise kann man sich fragen, ob die Verbindung von Migration mit unkontrollierbaren Naturkatastrophen wirklich ein passendes Bild ist oder die Realität verzerrt?
Metaphern in der Werbung
Metaphern transportieren Gefühle. Und einprägsame Bilder bleiben gut im Gedächtnis. Deshalb setzen Unternehmen sie gern in der Werbung ein, um Produkte zu verkaufen – oft im Zusammenspiel von Bild, Sprache und Ton.
Beispiele
- „Guten Freunden gibt man ein Küsschen“ (Ferrero) – Die „Küsschen“ beziehen sich auf die Schokopralinen der Firma. Der Slogan nutzt eine liebevolle, emotionale Metapher, um das Produkt mit Freundschaft und Zuneigung zu verbinden.
- „Mach dir Freude auf“ (Coca-Cola) – Der Slogan spielt mit der Doppeldeutigkeit: Während man Freude nicht physisch „aufmachen“ kann, lässt sich eine Cola-Dose sehr wohl öffnen. So wird das Trinken des Getränks mit einem Gefühl von Freude assoziiert.
- „Pack den Tiger in den Tank“ (Esso, 1960er Jahre) – Hier wird der Tiger als Symbol für Kraft und Dynamik verwendet. Der Slogan fordert Kunden auf, den Kraftstoff zu tanken, um mehr Leistung und einen ruhigeren Motorlauf zu erzielen – also den „Tiger“ im Auto zu wecken.
- „Die Gelben Engel“ (ADAC) – Die Pannenhelfer des ADAC werden als „rettende Engel“ dargestellt. Das Bild des Engels vermittelt Sicherheit, Hilfe und Vertrauen in Notlagen.
- „Red Bull verleiht Flügel“ (Red Bull) – Der Slogan vermittelt das Gefühl von Energie und Leichtigkeit, als würde das Getränk dem Konsumenten buchstäblich Flügel verleihen – also unbegrenzte Möglichkeiten und Antrieb geben.
Metaphern in der Literatur
In Gedichten, Romanen und Dramen spielen Metaphern eine besondere Rolle. Bildhafte Formulierungen wirken hier oft dichter und tiefgründiger als im Alltag. Sie fordern Lesende heraus, verborgene Bedeutungen zu entdecken, regen zum Nachdenken an und schaffen eine emotionale Verbindung zum Text. Mitunter sind sie so subtil, dass sie sich einer eindeutigen Entschlüsselung entziehen.
Auch religiöse Traditionen sind reich an Metaphern. Denn wohl alle Religionen und spirituellen Strömungen stehen vor der Herausforderung, unsichtbare Konzepte wie Gott oder schwer fassbare Phänomene wie Auferstehung, Leben nach dem Tod oder Gefühle wie Nächstenliebe und Hoffnung zugänglich zu machen. Metaphern eignen sich dafür besonders gut, da sie Vertrautes nutzen, um das Unbekannte zu erklären.
Beispiele aus der Literatur
- „Die ganze Welt ist eine Bühne. Alle Männer und Frauen sind nur Spieler.“ – William Shakespeare, Wie es euch gefällt/As you like it, Akt 2, Szene 7 (1599–1601) – Das Leben wird als Theaterstück dargestellt, in dem Menschen verschiedene Rollen spielen.
- „Das unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wanderer wiederkehrt“ – William Shakespeare, Hamlet. 3. Aufzug, 1. Szene (1603, veröffentlicht 1604). – Hier wird der Tod als ein unbekanntes, unerforschtes Land, von dem niemand zurückkehrt – eine Metapher für die Ungewissheit und das Geheimnis des Jenseits.
- „Ein rosenfarbenes Frühlingswetter / Lag auf dem lieblichen Gesicht“ – Johann Wolfgang von Goethe, Willkommen und Abschied (1771). – Glück und Verliebtheit spiegeln sich im Gesicht wider.
- „Frühling lässt sein blaues Band / flattern durch die Lüfte“ – Eduard Mörike, Frühling lässt sein blaues Band (1829). – Das „blaue Band“ steht für den Frühling und Neubeginn.
- „Der Steppenwolf“ – Hermann Hesse (1927). – Der Buchtitel ist eine Metapher für einen Außenseiter, der sich als einsam und zerrissen empfindet und seinen Platz in der Gesellschaft sucht.
- „Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele“ – Kurt Tucholsky, Schloss Gripsholm (1931). – Die hier erstmals benutzte Metapher „die Seele baumeln lassen“ drückt Entspannung und Muße aus und wird heute oft auf Urlaub, Freizeit oder Wellness bezogen.
- „Schwarze Milch der Frühe“ – Paul Celan, Todesfuge (1948). – Eine absolute Metapher für den Schrecken und die Unfassbarkeit des Holocaust.
Beispiele aus der Bibel
- „Aber nun, HERR, du bist unser Vater, wir sind Ton; du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.“ – Jesaja 64,8. – Gott als Töpfer, die Menschen als formbarer Ton.
- „Ich wasche meine Hände in Unschuld und gehe, HERR, um deinen Altar.“ Psalm 26,6. – Eine Unschuldsbeteuerung von David vor Gott.
Arten von Metaphern
| Art der Metapher | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Einfache Metapher | Direkte Übertragung eines Bildes auf einen anderen Bereich – oft in einem Satz. | „Die Zeit läuft davon.“ |
| Implizite Metapher | Das Bild wird durch Kontext oder Wortwahl nur angedeutet, ohne den Vergleich direkt zu benennen. | „Wir tappen im Dunkeln.“ |
| Absolute Metapher | Bildspender und -empfänger sind nicht klar trennbar. Das Bild bleibt offen und vieldeutig. | „Schwarze Milch der Frühe“ (Paul Celan) |
| Tote/verblasste Metapher | So tief in den Sprachgebrauch übergegangen, dass die bildhafte Herkunft nicht mehr bewusst ist. | Tischbein, Flaschenhals, Ohrmuschel |
Metapher versus ähnliche Stilmittel
| Stilmittel | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
| Metapher | Direkte Übertragung, ohne „wie“ oder „als“. | „Mir läuft die Zeit davon.“ |
| Vergleich | Verbindung durch „wie“ oder „als“. | „Sie ist mutig wie eine Löwin.“ |
| Allegorie | Ausgedehnte Metapher, oft als Figur oder Geschichte. | Justitia (Göttin mit Waage = Gerechtigkeit). |
| Symbol | Steht für etwas anderes und ist kulturell oder traditionell aufgeladen. | Weiße Taube = Frieden. |
| Personifikation | Vermenschlichung von Dingen. | „Die Sonne lacht.“ |
| Synästhesie | Verbindung verschiedener Sinneseindrücke. | „Süße Töne, weiche Farben.“ / „Der Klang war samtig weich.“ |
Interpretation einer Metapher — So geht’s!
Metaphern zu deuten, ist gar nicht so einfach. Hier ein paar Anhaltspunkte für eine systematische Analyse:
- Bestandteile: Aus welchen Elementen setzt sich die Metapher zusammen?
- Bild und Übertragung: Welches Bild wird erzeugt? Welche Eigenschaft (tertium comparationis) wird vom Bildspender auf den Bildempfänger übertragen?
- Wirkung: Welche Emotionen oder Assoziationen löst die Metapher aus?
- Bewertung: Welche positiven oder negativen Effekte hat sie auf die Lesenden?
- Kontext: Wie passt sie in den Gesamttext und seine Aussage?
Warum sind Metaphern wichtig für Deutschlernende?
Metaphern helfen nicht nur, Deutsch natürlicher zu sprechen, sondern auch, kulturelle Aspekte der Sprache zu verstehen. Zudem trainieren sie das bildhafte Denken – eine Fähigkeit, die auch beim Schreiben und Sprechen hilft. Probieren Sie’s aus: Sammeln Sie Metaphern aus Liedern, Büchern oder Gesprächen und notieren ihre Bedeutungen. So wird Ihr Wortschatz nicht nur größer, sondern auch vielfältiger, bunter.
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