Die Alliteration – gleicher Laut am Wortanfang bringt Texte zum Klingen
Eine Schlagzeile, die sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Ein Werbeslogan, der im Gedächtnis bleibt. Eine poetische Gedichtzeile, die zur Redewendung wird. Dahinter steckt oft ein rhetorisches Stilmittel, das seit Jahrhunderten genutzt wird: die Alliteration.
Das Wichtigste im Überblick
- Bei einer Alliteration fangen mehrere Wörter nacheinander mit dem gleichen Buchstaben an.
- Es kommt dabei auf den Laut an. F und V gelten auch als Alliteration.
- Alliterationen werden oft in der Werbung eingesetzt, weil sie sich leicht einprägen und im Kopf bleiben.
Was ist eine Alliteration?
Von einer Alliteration spricht man, wenn zwei oder mehrere aufeinanderfolgende Wörter mit demselben Anfangslaut beginnen. Dieses Stilmittel erzeugt einen besonderen Klang und kann so Textstellen betonen sowie lebendiger und einprägsamer machen.
Es gibt zwei verschiedene Arten der Alliteration:
Alle Anfangsbuchstaben bzw. -laute sind gleich, auch Tautogramm genannt. Beispiele:
- Milch macht müde Männer munter
- Spiel, Spaß, Spannung, Schokolade
- Gemeinsam gegen Gewalt
Es gibt eine Häufung von gleichen Anfangsbuchstaben bzw. -lauten in benachbarten Wörtern, die auch durch Bindewörter oder Artikel getrennt sein können. Beispiele:
- bei Wind und Wetter
- klipp und klar
- in Flora und Fauna
Im Schulkontext sind Alliterationen meist als Werkzeug in folgenden Zusammenhängen relevant:
- Textverständnis: Wie wirkt ein Text?
- Medienkritik: Wie werde ich beeinflusst?
- Eigenes Schreiben: Wie formuliere ich prägnant?
Tipp
Auch wenn die meisten Alliterationen mit denselben Anfangsbuchstaben gebildet werden: Entscheidend ist der Anfangslaut. Das bedeutet: Die Anfangslaute müssen nicht unbedingt dieselben Buchstaben haben, um gleich zu klingen. Beispiel: Die Buchstaben F und V sind zwar unterschiedlich, klingen aber gleich, weswegen auch Teile aus „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder die Redewendung „Volle Fahrt voraus“ als Alliterationen zählen.
Welche Wirkung haben Alliterationen?
Alliterationen sind meist sehr viel mehr als eine Spielerei mit Buchstaben. Denn sie wirken auf die Menschen, die sie lesen oder hören. Nehmen wir das Beispiel „Milch macht müde Männer munter“, ein bekannter Werbeslogan aus den 1950er Jahren: In diesem Satz beginnt jedes Wort mit dem Buchstaben „M“.
Welche Wirkung erzeugt das? Genau: Die Wiederholung zieht Aufmerksamkeit auf sich. Und ein melodischer Rhythmus entsteht. Dadurch prägt sich der Satz leichter ein. Hier ein paar konkrete Merkmale:
- Betont und fokussiert: Die gleichen Anfangsbuchstaben oder Anfangslaute heben Wörter und Aussagen visuell und/oder klanglich hervor, machen sie also auffälliger. So können sie die Aufmerksamkeit auf bestimmte Inhalte lenken.
- Wirkt einprägsam: Alliterationen erleichtern es, sich an Phrasen, Namen oder Slogans zu erinnern. Deshalb nutzt beispielsweise die Werbung dieses Stilmittel so gerne.
- Erzeugt Rhythmus und Klang: Alliterationen verleihen einem Text durch die Wiederholung von Klängen einen melodischen, fast musikalischen Fluss und machen ihn so angenehmer für das Ohr. Besonders in der Lyrik und Rhetorik verstärken sie den poetischen Charakter und helfen dem Gehirn, den Text leichter zu verstehen. Der Rhythmus kann dabei – je nach Wortwahl - auch Emotionen oder Stimmungen verstärken.
- Verbindet: Wörter, die sich klanglich ähneln, wirken inhaltlich zusammengehörig – selbst dann, wenn sie das sachlich gar nicht sind. Die Alliteration schafft so eine gefühlte Einheit und lenkt den Fokus darauf.
- Zeigt Kreativität: Alliterationen werden als elegant und stilistisch ansprechend empfunden. Sie zeigen sprachliches Können und Kreativität.
Wo begegnen uns Alliterationen?
Alliterationen begegnen uns als Stilmittel sowohl in der Literatur als auch im Alltag: in Redewendungen, Werbeslogans, Schlagzeilen, und ebenso in Medien, Gesellschaft und Politik. Manchmal entstehen daraus feste Redewendungen.
Die Alliterationen im Alltag
Häufig begegnen uns Fügungen mit Alliterationen in der täglichen Sprache, zum Beispiel in Redewendungen, Sprichwörtern, Kinderreimen und Zungenbrechern.
| Redewendungen |
|---|
bei Wind und Wetter, durch Dick und Dünn, fix und fertig, gesagt, getan Haus und Hof, hoch und heilig, in Flora und Fauna, klipp und klar kreuz und quer, Mann und Maus, mit Schimpf und Schande, mit Zittern und Zagen null und nichtig, zwischen Baum und Borke |
| Sprichwörter |
|---|
| Der frühe Vogel fängt den Wurm. |
| Kinderreime |
|---|
„Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“ (aus dem Märchen „Hänsel und Gretel“) „Ri Ra Rutsch, wir fahren mit der Kutsch“ (Kinderreim aus dem 19. Jahrhundert) |
| Zungenbrecher |
|---|
Als Anna abends aß, aß Anna abends Ananas. Blaukraut bleibt Blaukraut, und Brautkleid bleibt Brautkleid. Fischers Fritze fischt frische Fische. Kleine Kinder können keine Kirschkerne knacken. Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Schwalben. |
Alliterationen in der Werbung
In der Werbung sind Alliterationen beliebt, weil sie Slogans und Produktnamen einprägsam und schnell wiedererkennbar machen. Durch ihren spielerischen Klang können sie positive Assoziationen mit der Marke auslösen und so die emotionale Bindung zwischen Verbraucher:innen und Marke vertiefen.
Beispiele für Slogans:
- „Bigger, Better, Burger King“
- „Create your coffee.“ – Tchibo Qbo
- „Geiz ist geil“ – Saturn
- „Gelb. Gut. Günstig.“ Yello Strom
- „Lecker liefern lassen“ – Lieferheld
- „Lidl lohnt sich“ – Lidl
- „Mars macht mobil“ – Mars
- „Milch macht müde Männer munter.“ – Westdeutsche Milchwirtschaft
- „Spiel, Spaß, Spannung, Schokolade.“ – Kinder-Überraschung
- „Wo Wirksamkeit wächst.“ – Klosterfrau
Auch viele Firmen- oder Markennamen nutzen Alliterationen, wie Coca-Cola, Dunkin' Donuts oder Media Markt. Ihnen fallen bestimmt noch weitere ein.
Alliterationen in Politik, Gesellschaft und Medien
Auch im Journalismus werden Alliterationen gerne eingesetzt – in Presse, Rundfunk und Fernsehen, wie zum Beispiel „titel, thesen, temperamente“ (Titel einer ARD-Sendung). Vor allem in Schlagzeilen. Denn ein Titel, in dem alle oder fast alle Wörter mit demselben Anlaut beginnen, fällt schon rein optisch auf. Achten Sie beim täglichen Lesen von Nachrichten und Berichten mal darauf.
Alliteration sind zudem in Politik und Aktivismus beliebt, sowohl in Reden als auch auf Wahlplakaten, um Aussagen hervorzuheben und emotionaler zu gestalten – wie zum Beispiel „Herz, Härte und Hightech“ (Slogan der Hessen-CDU 2023) oder „Klimaschutz kennt keine Grenzen“ (Wahlplakat der Grünen zur Europawahl 2019).
Auch in Namen von Organisationen wie „Fridays for Future“ oder von Kampagnen wie „Gemeinsam gegen Gewalt“ sorgen Alliterationen für Prägnanz und schnelle Wiedererkennbarkeit.
Alliterationen in der Literatur
Seit Jahrhunderten nutzt die Literatur – besonders die Poesie – das Stilmittel der Alliteration, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen oder Texte rhythmisch zu gestalten. Die Schriftsteller:innen und Dichter:innen sind dabei häufig sehr kreativ. In Prosa und Lyrik machen Alliterationen Textstellen einprägsamer, lenken die Aufmerksamkeit oder verstärken Dramatik, Ironie und die emotionale Tiefe. In Gedichten und Reden verleihen sie dem Text zudem einen melodischen Fluss.
Beispiele:
- „Komm Kühle, komm küsse den Kummer“ – Clemens Brentano, „Rheinmärchen“
- „Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir“ – Johann Wolfgang von Goethe, „Der Erlkönig“
- „Knusper, knusper, Knäuschen“ – Märchen „Hänsel und Gretel“
- „Mir war so bang, und du kamst lieb und leise“ – Rainer Maria Rilke, „Gedichte“
- „Röslein, Röslein, Röslein rot“ – Johann Wolfgang von Goethe, „Heidenröslein“
- „Stock, der du gewesen, Steh doch wieder still!“ – Johann Wolfgang von Goethe, „Der Zauberlehrling“
Eine spezielle Form der Alliteration ist der Stabreim. In der althochdeutschen Dichtung war die Alliteration sogar das grundlegende Gestaltungsprinzip – noch vor dem Reim. Das berühmte „Hildebrandslied“ aus dem 9. Jahrhundert basiert vollständig auf diesem Prinzip.
Auch Comic-Figuren haben oft alliterative Namen, um einprägsamer zu wirken, zum Beispiel „Donald Duck“ und „Lucky Luke“ oder, schon früher, Wilhelm Buschs „Max und Moritz“.
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