Der Parallelismus – Reihenfolge der Satzglieder wiederholt sich

„Geht ins Ohr, bleibt im Kopf." Diese Werbung fürs Radio zeigt gut, was ein Parallelismus ist und wie er wirkt. Es handelt sich dabei um ein sprachliches Stilmittel, das einen identischen Satzbau nutzt: Die Reihenfolge der Wortarten und Satzglieder in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Sätzen oder Satzteilen ist gleich.

Zielgerichtet eingesetzt, ist diese Art der Wiederholung nicht etwa langweilig, sondern kann bewirken, dass Fakten und Botschaften besser im Gedächtnis bleiben. Daher ist der Parallelismus überall da gern genutzt, wo Menschen einprägsam formulieren wollen: in Redewendungen, Literatur, Politik und Werbung.

Beispiele:

  • Ende gut, alles gut. (Redewendung)
  • Mehr sehen, mehr hören. (Werbeslogan WDR)

In diesen beiden Beispielen gibt es zusätzlich wörtliche Wiederholungen, was die Parallelität verstärkt. Notwendig ist das aber nicht. Es geht auch so:

  • Wohnst du noch oder lebst du schon? (Werbung Ikea)
  • Sind sie zu stark, bist du zu schwach. (Werbung Fisherman's Friend)
  • Pech im Spiel, Glück in der Liebe. (Redewendung)

In diesen Sätzen ist der Parallelismus kombiniert mit einer Antithese.

Was genau ist ein Parallelismus? Merkmale und Wirkungen

Der Parallelismus ist ein sprachliches Stilmittel, das sich auf den Satzbau bezieht. Ein oder mehrere aufeinanderfolgende Sätze oder Teilsätze haben dieselbe Reihenfolge der Satzglieder – das heißt: dieselbe Struktur hinsichtlich Subjekt, Prädikat, Objekt. Die Reihenfolge der Satzglieder generell spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist, dass sie sich im zweiten (Teil)satz wiederholt.

Der Begriff des Parallelismus stammt aus dem griechischen parállēlos, was nebeneinander befindlich, gleichlaufend bedeutet. Als Gestaltungsprinzip ist der Parallelismus bereits in der antiken Poesie und in der Bibel zu finden und wird bis heute in Redewendungen, in Literatur und Dichtung, in politischen Reden und in der Werbung genutzt.

Das Stilmittel dient dazu, Inhalte zu verbinden und/oder gegenüberzustellen. Wenn zusätzlich Wörter wiederholt werden, verstärkt dies oft die Parallelität. Ein solcher tautologischer oder synonymer Parallelismus ist aber nicht notwendig. Ebenso häufig kommt das Stilmittel in Kombination mit Antithesen vor – ein sogenannter antithetischer Parallelismus.

Merkmale des Parallelismus

  • Mindestens zwei aufeinanderfolgende Sätze haben die gleiche Satzstruktur.
  • Häufig kommen Wortwiederholungen oder Antithesen hinzu.

Wirkungen des Parallelismus

Auch wenn die Wirkung des Parallelismus immer vom jeweiligen Text und Kontext abhängt, in dem das Stilmittel eingesetzt wird, lassen sich einige grundsätzliche Aspekte festhalten – von Einprägsamkeit über Betonung von Aussagen und Gegensätzen bis hin zur Schaffung von Rhythmus und Struktur.

  • Prägt sich ein: Die Verwendung eines Parallelismus hat immer zum Ziel, dass Menschen sich die Inhalte leichter merken können. Aufgrund seiner Einprägsamkeit kommt er oft in Sprichwörtern und Redewendungen, Werbung und Rhetorik vor.
  • Betont und verleiht Nachdruck: Die Wiederholung der syntaktischen Struktur betont Aussagen und Inhalte und kann so die Aufmerksamkeit auf bestimmte Botschaften lenken.
  • Hebt Gegensätze hervor: Häufig werden Parallelismen auch genutzt, um Gegensätze prägnant nebeneinander darzustellen – denn der Kontrast zwischen gegensätzlichen Worten wird dadurch noch deutlicher. Dies wird auch antithetischer Parallelismus genannt.
  • Schafft Rhythmus und Übersicht: Die parallele Struktur hilft den Lesenden oder Hörenden, sich aufgrund der Symmetrie besser im Text zu orientieren, und verleiht dem Text eine rhythmische und oft harmonische Wirkung – nicht nur in Gedichten.

Parallelismus in der Alltagssprache

Viele Sprichwörter und Redewendungen sind nach den Prinzipien des Parallelismus aufgebaut – manche gepaart mit Tautologie oder Antithese oder weiteren Stilmitteln wie Anapher oder Reim – sehen Sie selbst.

Beispiele:

  • Andere Länder, andere Sitten.
  • Ende gut, alles gut.
  • Hilfst du mir, helf ich dir.
  • Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen.
  • Kommt Zeit, kommt Rat.
  • Pech im Spiel, Glück in der Liebe.
  • Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
  • Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
  • Wie du mir, so ich dir.

Parallelismus in der Literatur

Besonders in der Lyrik, also in Gedichten, findet man den Parallelismus häufig. Schon in der Bibel kommt das Gestaltungsprinzip vielfach zum Einsatz.

Beispiele:

  • „In deinen Küssen welche Wonne! In deinem Auge welcher Schmerz!“ – aus dem Gedicht „Willkommen und Abschied" (1789) von Johann Wolfgang von Goethe
  • „Ich bin entdeckt, ich bin durchschaut“ – aus „Maria Stuart“ (1800) von Friedrich Schiller
  • „Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident!“ – aus der Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ (1819) von Johann Wolfgang von Goethe
  • „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“ – aus der Flugschrift „Der Hessische Landbote“ von Georg Büchner
  • „Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee“ – aus „Rote Husaren“ (1914) von Hermann Löns

Parallelismus in Werbung, Rhetorik und Politik

Der Parallelismus eignet sich auch gut, um politische Reden oder Werbebotschaften so zu formulieren, dass der Wiedererkennungswert von Botschaften, Marken oder Produkten steigt.

Beispiele für Werbeslogans:

  • Wohnst du noch oder lebst du schon? Werbung IKEA
  • Sind sie zu stark, bist du zu schwach. – Werbung Fisherman's Friend
  • Schützt unter Wasser. Schützt auf der Erde. Schützt im All. – Werbung Renault Laguna
  • Schmutz geht, Glanz entsteht. – Werbung Antikal
  • Noch intuitiver. Noch intelligenter. Noch mehr du. – Werbung Apple watchOS
  • Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein. – Werbung dm
  • Have a break, have a Kit-Kat. – Werbung KitKat
  • Geht ins Ohr, bleibt im Kopf. – Werbung fürs Radio
  • Für Ihre Sicherheit. Für Ihr Vermögen. – Werbung AXA
  • Der Trick mit dem Knick und die Masche mit der Tasche. – Werbung Ritter Sport

Tipp

Als stilistisches Gegenstück zum Parallelismus gilt der Chiasmus. Hierbei werden die einzelnen Satzglieder nicht parallel, sondern über Kreuz angeordnet, also beinahe spiegelbildlich.


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