Charakterisierung schreiben – von äußeren zu inneren Merkmalen
Was macht eine Figur aus? Warum handelt sie so, wie sie handelt – und welche Rolle spielt sie in der Geschichte? Genau das herauszuarbeiten, ist die Aufgabe einer Charakterisierung. Ob es um eine reale Person oder eine fiktive Figur geht: Hier beschreiben, analysieren und deuten Sie alle wichtigen Details – von äußeren Merkmalen wie Aussehen, Kleidung, Mimik und Gestik bis hin zu inneren Eigenschaften wie Verhalten, Gefühlen, Motiven, Entwicklungen und Beziehungen. Eine Charakterisierung zu schreiben, gehört in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Deutschunterricht, besonders in der Oberstufe und auch im Abitur.
Was ist dabei wichtig? Eine gelungene Charakterisierung ist mehr als die Beschreibung der Eigenschaften einer Figur. Es geht auch darum, die Figur und ihre Rolle im Gesamtzusammenhang zu analysieren und zu deuten.
Und so gehen Sie beim Schreiben einer Charakterisierung vor: Zuerst bereiten Sie sich vor. Sie lesen den Text oder Textausschnitt, markieren Bereiche mit inneren und äußeren Merkmalen der zu charakterisierenden Figur, notieren Textstellen zum Beleg und machen eine Gliederung. Erst danach schreiben Sie. Dabei nutzen Sie Ihre Notizen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Charakterisierung hat das Ziel, das Wesen und die Funktion der Figur zu verstehen und ihre Bedeutung im Kontext zu zeigen: Welche Rolle spielt sie in der Handlung? Wie steht sie zu anderen Figuren? Und wie verändert sie sich im Laufe der Geschichte?
- Formal besteht eine Charakterisierung aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.
- Vor dem Schreiben steht die Vorbereitung: Aufgabe genau lesen, wichtige Textstellen markieren.
- Arbeiten Sie sich von den äußeren zu den inneren Merkmalen der Figur vor.
- Belegen Sie Ihre Aussagen mit entsprechenden Textangaben.
- Schreiben Sie sachlich und objektiv.
In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie im schulischen Kontext eine Charakterisierung schreiben. Und wir erklären, was alles dazugehört. Hier ein Überblick:
Was ist eine Charakterisierung? Aufgabe und Ziel
Bei einer Charakterisierung geht es darum, eine literarische Figur oder eine reale Person zu beschreiben, zu analysieren und darzustellen. Dabei geht es sowohl um äußere Merkmale wie Aussehen, Kleidung, Mimik und Gestik als auch um innere Eigenschaften wie Verhalten, Gefühle, Motive, Entwicklungen und Beziehungen. Ziel ist es, die prägenden Eigenschaften sowie das Wesen und die Rolle der Figur im Gesamtzusammenhang herauszuarbeiten.
In so unterschiedlichen literarischen Gattungen wie Roman, Drama oder Gedicht zählen Autor:innen all die Eigenschaften ihrer Figuren aber ja eher selten direkt auf. Daher müssen Sie vieles aus dem Verhalten der Figur erschließen, indem Sie neben direkten Merkmalen auch indirekte Merkmale im Text erkennen, herausarbeiten und darstellen.
Dabei ist es wichtig, die Merkmale immer auch im Kontext zu betrachten. Denn nur wenn Sie direkte und indirekte Merkmale kombinieren, ihre Rolle im Werk und ihre Funktion für die Handlung nachvollziehen, können Sie die Figur im Gesamtzusammenhang darstellen.
Achten Sie also darauf, ob und wie sich der Charakter der Figur im Laufe der Handlung entwickelt, ob es Verhaltensänderungen gibt und in welcher Beziehung die Figuren zueinander stehen.
Charakterzüge aus dem Text ableiten: Tipps
Bei den indirekten Charakterisierungen ist Ihre Interpretationsfähigkeit gefragt: Sie müssen Schlüsse ziehen und Zusammenhänge herstellen. Hier haben wir die wichtigsten Methoden zusammengestellt, aus Textstellen Rückschlüsse auf den Charakter zu ziehen:
- Direkte und indirekte Beschreibungen: Achten Sie darauf, ob die Figur direkt beschrieben wird (z. B. „Er war geizig“) oder ob sich ihre Eigenschaften indirekt aus Handlungen, Dialogen oder Gedanken erschließen lassen.
- Handlungen und Verhalten: Was tut die Figur in bestimmten Situationen? Wie reagiert sie auf Konflikte oder Herausforderungen? Das verrät oft ihre Motive, Ängste oder Stärken.
- Sprache und Dialoge: Die Wortwahl, der Tonfall und die Art, wie eine Figur spricht, zeigen ihre Persönlichkeit. Auch innere Monologe oder Gedanken können wichtige Hinweise geben.
- Äußere Erscheinung und Symbolik: Kleidung, Aussehen oder wiederkehrende Symbole, wie Farben oder Gegenstände, können auf Charakterzüge oder soziale Rollen hinweisen.
- Beziehungen zu anderen Figuren: Wie die Figur mit anderen umgeht und wie diese auf sie reagieren, sagt viel über ihren Charakter aus.
- Entwicklung der Figur: Verändert sie sich im Laufe der Geschichte? Solche Entwicklungen zeigen oft innere Konflikte oder Wachstum.
- Erzählperspektive und Stilmittel: Kommentare oder sprachliche Mittel wie Ironie oder Vergleiche können verborgene Eigenschaften verdeutlichen.
Tipp
Grundsätzlich lassen sich natürlich nicht nur fiktive, sondern auch reale Personen charakterisieren – beispielsweise in Biografien oder TV-Porträts historischer oder zeitgenössischer Persönlichkeiten. In der Schule handelt es sich jedoch meist um fiktive Figuren.
Vorbereitung
Eine Charakterisierung zu schreiben, kann eine komplexe Aufgabe sein. Daher ist es sinnvoll, sie strukturiert anzugehen – mit einer gründlichen Vorbereitung. Das sind die wichtigsten Schritte, bevor’s ans Schreiben geht:
Aufgabenstellung beachten: Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, ist es wichtig, den Fokus der Charakterisierung wirklich zu verstehen. Lesen Sie daher die Aufgabenstellung sorgfältig zum Beispiel unter diesen Aspekten durch:
- Eigenständiger Aufsatz oder Teil einer Interpretation?
- Charakterisierung der gesamten Figur oder eines bestimmten Aspekts – etwa die charakterliche Entwicklung oder das Verhalten in einer Schlüsselszene?
- Geht es um die Hauptfigur oder um eine Nebenfigur?
Lesen, unterstreichen, markieren: Klingt etwas banal, ist aber wirklich wichtig: Lesen Sie den Text sorgsam. Mehrmals. Beim ersten Mal, um einen Überblick zu gewinnen – worum geht es, wer sind die Figuren? Danach: Markieren Sie alles Wichtige rund um die zu charakterisierende Figur: vor allem Textstellen mit direkten und indirekten Charakterisierungen.
Direkte Charakterisierung: Suchen Sie zunächst nach Merkmalen, die direkt im Text beschrieben sind:
- Äußere Merkmale: Name, Alter, Aussehen, Kleidung, Gestik und Mimik
- Fakten: Herkunft, sozialer Status, Lebensumstände, Vorgeschichte
Indirekte Charakterisierung: Schauen Sie dann nochmal genauer hin.
- Verhalten und Handlungen: Wie reagiert die Figur in bestimmten Situationen?
- Wörtliche Rede: Sprache: Wortwahl, Tonfall, Ausdrucksweise - was verrät ihre Sprache über ihre Persönlichkeit?
- Gedanken und Gefühle: Was denkt oder fühlt sie – und was sagt das über ihren Charakter aus?
- Beziehungen zu anderen Figuren: Welche Rolle spielt sie in der Handlung? Wie steht sie zu anderen Figuren? Und wie verändert sie sich im Laufe der Geschichte?
Beispiele finden: Schreiben Sie entsprechende Beispiele heraus und belegen Sie sie mit Seitenzahl.
Gliederung erstellen: Strukturieren Sie dann Ihre Notizen nach Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Einleitung schreiben
Worum geht’s? Eine Einleitung ist immer kurz. Es reicht aus, dass Sie den Text mit Titel, Autor:in, Textsorte und Erscheinungsjahr nennen, dann die Figur mit Name, Rolle im Werk vorstellen und sie kurz in die Handlung einordnen.
Tipp
Halten Sie sich nicht zu lange mit der Einleitung auf, damit Ihnen genügend Zeit für das Schreiben des Hauptteils bleibt. Es kann auch sinnvoll sein, die Einleitung erst ganz am Ende zu schreiben: Denn erst dann haben Sie ja den kompletten Überblick.
Hauptteil schreiben
Der Hauptteil einer Charakterisierung ist der zentrale Teil Ihrer Arbeit. Hier arbeiten Sie die äußeren und inneren Merkmale der Figur aus – basierend auf Ihren Markierungen und Notizen. Analysieren Sie dafür den vorgegebenen Text oder die Textstelle genau.
Die Figuren in einer Geschichte sind nie zufällig gewählt. Sie haben immer eine Funktion – sei es für die Handlung oder für die Aussage des Textes. In Ihrer Charakterisierung sollten Sie klar machen, ob es sich um eine Haupt- oder Nebenfigur handelt und welche Aufgabe sie im Text hat.
Beginnen Sie mit den Fakten und allem, was sich aus den direkten Beschreibungen der Figur ergibt. Gehen Sie dann zu den inneren Merkmalen über, die meist nicht explizit im Text benannt werden. Zeigen Sie an Textstellen, welche Rückschlüsse sich auf den Charakter ziehen lassen. Bleiben Sie dabei sachlich und belegen Sie Ihre Schlussfolgerungen immer mit konkreten Textstellen. Achten Sie auch darauf, wie die Figur zu anderen steht, welche Rolle sie in der gesamten Figurenkonstellation spielt und wie sie sich im Laufe der Handlung entwickelt.
Schluss schreiben
Der Schluss fasst als Fazit die wichtigsten Punkte des Hauptteils kurz und prägnant zusammen. Ziel ist es, Ihre Ergebnisse zu einer klaren Schlussfolgerung zu bringen. Dazu gehören:
- Einordnung der Figur: Welche Rolle spielt sie im Werk?
- Kurze Zusammenfassung der prägendsten Eigenschaften, aber ohne alles zu wiederholen
- Bedeutung der Figur: Wie entwickelt sie sich? Welche Beziehungen hat sie zu anderen? Und wenn Sie möchten, können Sie hier du auch eine eigene Meinung einbringen – natürlich mit Begründung.
Überarbeiten und korrigieren
Nach dem Schreiben ist es wichtig, die Charakterisierung zu prüfen und zu korrigieren. Lesen Sie Ihren Text mehrmals durch. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:
- Fehlt nichts?
- Gibt es Wiederholungen, die Sie streichen können?
- Haben Einleitung, Hauptteil und Schluss die richtige Länge?
- Bauen die Analysen und Interpretationen logisch aufeinander auf?
- Sind Interpretationen mit Textstellen belegt?
- Ist der Text gut verständlich?
- Sind die Sätze und Formulierungen abwechslungsreich?
- Ist das Fazit klar und sachlich?
- Sind Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung korrekt?
Charakterisierung versus Personenbeschreibung + Steckbrief
Häufig werden die Begriffe Charakterisierung und Personenbeschreibung oder Steckbrief verwechselt. Doch da gibt es klar Unterschiede. Eine Personenbeschreibung konzentriert sich auf äußere Merkmale wie Aussehen, Kleidung oder Gestik. Noch kürzer und faktenbasierter ist der Steckbrief: Er macht aus Grundinformationen eine kompakte Übersicht.
Die Charakterisierung dagegen geht deutlich weiter: Sie analysiert auch innere Merkmale wie Gedanken, Gefühle, Motive und Entwicklungen. Vor allem aber deutet sie die Funktion der Figur im Werk: Welche Rolle spielt sie in der Handlung? Wie steht sie zu anderen Figuren? Und wie verändert sie sich im Laufe der Geschichte? Eine Personen
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